Da es immer wieder jede Menge Fragen zum Equipment gibt, hier mal ein grober „Leitfaden“:

Grundsätzlich suchen die meisten Leute auf dem Weg oder nach der Lizenz folgende Sachen:

  • Fallschirmsystem
    • Gurtzeug
    • Reserveschirm
    • AAD
    • Hauptschirm
  • Höhenmesser
  • Helm (evtl. mit Brille)
  • Höhenwarner (empfohlen)
  • Kombi (empfohlen)

Deshalb ist es ratsam, sich im Vorfeld ein paar Gedanken zu machen, von denen hier einige zusammengefasst sind – ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Gewähr.

Falls ihr irgendwelche Fragen zu was auch immer habt, fragt nach!!

Kosten

Für euer eigenes Fallschirmsystem solltet ihr zwischen 2.000 € und 12.000 € einplanen, je nach Alter und Zustand (neu, gebraucht etc.). Natürlich könnt ihr nach der Lizenz auch weiter ein Vereinsgurtzeug springen, allerdings empfiehlt sich, zuimindest das Zusatzequipment anzuschaffen.

Gurtzeug

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein Gurtzeug einfach passen muss, sowohl an euren Körper, als auch für die gewünschten Schirmgrößen. Es gibt natürlich Unterschiede in Preis, Ausstattung und Qualität, auch sind ganz seltene exotische Gurtzeuge gar nicht für den deutschen Markt zugelassen. Die Top 2 sind wohl unbestritten das Sunpath Javelin und das UPT Vector 3, alles andere sind sowieso nur Kopien. Aber auch Mirage, Paratec Next, Avalon und jede Menge anderer lassen problemlos kaufen, grade zu Beginn ist die Marke eher irrelevant. Vor allem kann ich euch empfehlen, das erste Gurtzeug nicht neu zu kaufen, weil erstens sind das oft über 4000€ und zweitens könnte aus Disziplingründen bald ein Wechselwunsch aufkommen. Wie gesagt, hauptsache es passt euch einigermaßen. Um das rauszufinden, müsst ihr es ziemlich sicher anprobieren und von jemandem begutachten lassen, der das auch wirklich einschätzen kann (es ist nicht jeder, der das behauptet ;-)) Gute Empfehlungen sind wie immer die Rigger oder teilweise erfahrene Lehrer und Springer. Meistens passen 2-3 Schirmgrößen in ein Gurtzeug, so dass ihr etwas Luft habt für Veränderungen. Falls ihr hierzu Fragen habt, siehe oben. Für die Preiskalkulation sollte man wissen, dass es nach ca. 20-25 Jahren (je nach Hersteller) keinen Marktwert mehr hat, allerdings gehen durchaus 4000+ Sprünge auf ein hochwertiges System.

Reserve

Hier gibt es einige gute Modelle, wie die Paratec Speed, PD Optimum, PD-R, Aerodyne Smart etc. Leider findet man einzelne Reserven selten gebraucht, entweder sie werden mit dem Gurtzeug verkauft oder man muss sie neu kaufen. Die Reserve ist meist ähnlich groß, wie die Hauptkappe, da sie aber viel träger fliegt, ist auch eine Nummer kleiner akzeptabel. Auch hier solltet ihr euren Lehrer/Rigger fragen. Bei Preis ist es meist eine klare Abstufung über 20-22 Jahre, im Gegensatz zum Hauptschirm sollte diese dann auch wirklich gewechselt werden, denn einen dritten gibt es nicht.

AAD

Hier ist das Cypres von Airtec unbestritten das meistverkaufe AAD in Deutschland. Es gibt 6 Versionen, von denen ihr ein Expert oder C-Mode sucht zu beginn, wenn ihr die Wahl habt letzteres. Es gibt zwar noch andere Hersteller auf dem Markt, auf die ich aber nicht näher eingehen will. Bei Bedarf könnt ihr gerne Fragen. Vom Cypres gibt es eine Wertetabelle über die Lebenszeit (Bis DOM 2016 12,5 Jahre, ab 2017 15,5 Jahre), was relativ wenig Spielraum zum Handeln lässt und so die Preise relativ fix sind. Auch hier einfach nachfragen.

Hauptschirm

Ich emfpehle euch, nur Hauptschirme von renomierten Herstellern zu kaufen, das sind PD (= Performance Designs), Jyro (früher Icarus Canopies / NZ Aerosports), der spanische Ableger Icarus World und Aerodyne. Eine sehr gute Wahl zum Anfangen ist bestimmt ein Sabre 2 oder 3, damit kann man gemütlich aber auch sehr sportlich fliegen. Aber auch andere Schirme von PD (Pulse, Storm, Spectre, Silhouette), der Safire von Jyro, S-Fire von Icarus World oder der Arodyne Pilot sind sehr gute Schirme zum Beginnen. Die Frage nach der ersten Größe lässt sich nicht pauschal beantworten, grundsätzlich ist der Durchschnitt für normale Staturen ein 170er, für die Big Boys meist ein 190er und für die ganz kleinen/leichten Jungs und Mädels evtl. ein 150er, aber sehr mit Vorsicht zu genießen! Welche Größe für euch passt, sprecht ihr am Besten mit euren Lehrern ab und bei der Frage nach einem fairen Preis sind die Rigger meistens die richtigen Ansprechpartner. Grundsätzlich kann man aber von ca. 2000 Sprüngen auf dem Schirm selbst und 500-800 Sprüngen auf dem Leinensatz ausgehen. Der Schirm verliert auch über die Zeit an Marktwert (ca. 20-25 Jahre bis er nichts mehr wert ist), was aber eigentlich blödsinn ist, da das Material ungesprungen und gut gelagert nicht schlechter wird. Hier lassen sich also Schnäppchen ergattern!

WICHTIG

Denkt unbedingt daran, dass der Hilfsschirm eines Sportsystems nach der Öffnung kollabiert und vor dem Packen dekollabiert werden muss, sonst habt ihr gleich mal eine Reserve!! Wer nicht weiß, was das ist, frägt an seinem nächsten Sprungtag auf dem Platz nach.

Allgemein

Am besten ist natürlich immer, man findet Equipment am Platz. Dann kann man es direkt an-/ausprobieren, kann sich auf einen Preis einigen, der für beide passt und muss es nicht hin und her schicken. Fragt dafür einfach mal die Rigger am Platz oder in der Skyhigh Whatsapp Gruppe, ob jemand was hat, was ihr sucht. Natürlich kann es sein, dass man das, was man sucht nicht am Platz findet und man anderweitig suchen muss. Hierfür empfehlen sich verschiedene Facebook-Gruppen, z.B. Skydive for Sale, Skydive Gear For Sale and Wanted, Skydive Buy and Sell, Buy/Sell Skydiving gear, Skydive gear for sale, Skydive Equipment for sale – #1, Skydive gear – Europe, Fallschirm Börse (Deutschland, Österreich, Schweiz). Leider ist Material von außerhalb der EU fast immer uninteressant, da noch 2.7% Zoll und 19% Einfuhrumsatzsteuer dazukommen (wenn nicht getrickst wird oder das Paket sonst irgendwie ungesehen durch den Zoll kommt). Deshalb sind gerade die letzten beiden Gruppen für uns sehr interessant. Aber vorsicht, es finden sich leider auch in der Skydive Community schwarze Schafe. Falls ihr euch nicht sicher seid, ob das ein faires Angebot ist, schreibt einfach die Platzrigger an. Ein gängiges Verfahren hierbei ist, dass der Verkäufer das Equipment auf seine Kosten zu eurem Rigger schickt, dort wird es dann anprobiert und/oder gecheckt und wenn alles passt, dann müsst ihr den Verkäufer bezahlen und bekommt erst dann das Equipment vom Rigger ausgehändigt. Falls ihr euch aus welchen Gründen auch immer dagegen entscheidet, müsst ihr es auf eure Kosten wieder zurückschicken (lassen). Ein guter Zeitpunkt, Equipment zu kaufen, ist gegen Ende der Saison. Dadurch, dass viele ihr Zeug verkaufen ist es da eher günsiger und es gibt mehr Auswahl. Ich würde es aber möglichst nicht über die Jahreswende ziehen, da die Preise im neuen Jahr so gut wie immer Steigen. Falls ihr schon länger auf der Suche seid, aber nichts findet, dann schreibt doch einfach mal rein was ihr sucht (z.B. suche Gurtzeug für 175cm, 85kg, für einen 170er Hauptschirm – oder suche Komplettsystem/Beginnersystem…).

Höhenmesser

Die erste Frage is hier digital oder analog. Die meisten entscheiden sich für ein genaueren digitalen, viele ältere Springer springen aber immernoch analog. Ein analoges Standardwerke ist der Barigo, soll es digital sein, gibt es mittlerweile einige Möglichkeiten. Der Viso II+ oder Aares II (Nachfolger) von L&B (mit Logbuchfunktion, Sprunginfos z.B. Speed etc.) sind nach wie vor die zuverlässigsten Standardwerke auf dem Markt. Das Deutsche Startup airlogOne bietet sogar GPS Funktion. Das bietet der AON² X2 zwar auch, allerdings ist die Qualität (besonders vom Service) nicht arg hoch. Dafür gibt es aber den X0 aber auch zum Kampfpreis, allerdings ist die Hülle und das Armband nicht sehr langlebig. Höhe anzeigen können sie aber alle zuverlässig! Zu Preis etc. s.o.

Höhenwarner

Auch hier sind die Standardwerke von L&B (Optima 2/3, Quattro, Solo, etc.), es gibt aber auch einige adere. Grundsätzlich unterscheiden sie sich in wenigen Punkten (z.B. hat der Optima als einziger einen Swoopguide, während der Quattro vier Freifallhöhen Piepsen kann). Wer eine günstige Alternative sucht, kann sich von AON² den Brilliant Pebbles kaufen. Der Nachteil hier ist, dass er mit dem Handy verbunden werden muss, um umgestellt zu werden, anstatt mit Knöpfen und Display (früher per Kabel, mittlerweile kabellos. Der ganz neue Aria spricht sogar mit euch, ob das jetzt sinnvoll ist, sei dahingestellt.

Helm und Kamera

Diese Fragen hängen meist unmittelbar zusammen, denn eins vorweg: Eine Kombination ohne Leinenabweiser und/oder Abtrennsystem ist bei vielen Plätzen mittlerweile verboten. Sollte sich nämlich eine Leine (oder etwas snders) um den Mount wickeln, sind alle Beteiligten froh um eines der beiden Features, im besten Fall natürlich beides.
Erste Frage: Offen oder geschlossen? Antwort: Typsache. Viele mögen offen, weil sie den Wind im gesicht spüren wollen, andere entscheiden sich für Gesichtschutz und Ruhe durch Vollvisier.
Grundsätzlich lässt sich hier sagen, es gibt nur wenige Modelle auf dem Markt, die einer Zertifizierung genügen, geschlossen z.B. der Skyhelmet Fujin aus Carbon (Made in Germany), der Cookie G35 und G4, sowie der Tonfly GFX und offen z.B. Cookie M3 und der Tonfly ICE (haben aber nicht immer dieselben Normen!). Die meisten anderen sind quasi nur extrem teure Nusschalten, die euch vllt vor rumfliegenden Körperteilen im Freifall schützen, aber nicht bei einem Sturz.
Nun zur Kamera: Viele wollen sich so schnell wie möglich damit bestücken, was die Suche weiter eingrenzt (außer, ihr bohrt Löcher in euren teuren Carbonhelm, was dann mit der CE passiert sollte klar sein). Auch die Klebemounts halten oft mehr als sie sollen, wenn sich eine Leine darumlegt (um die 60kg – mehr als euer Genick!) und wenn man es nicht braucht, weniger als sie sollen (Kamera verloren).
Definitiv das beste Closed Face Gesamtpaket: G35 – CE Norm XPS72600, Leinenabweiser und Abtrennsystem.
Die meistgenutzten Open Face Helme sind von Tonfly (werden auch von professionellen Kamerafliegern genutzt weil es sehr viele verschiedene Montagemöglichkeiten gibt), aber auch der Cookie Fuel hat ein gutes System (allerdings beide ohne Norm!). Falls ihr euch nicht aus dem Bauch raus entscheiden könnt/wollt, fragt einfach mal am Platz nach, ob ihr von anderen Springern mal was anprobieren oder probespringen dürft. Probiert vor allem verschiedene Größen eines Modells. Die Hersteller haben zwar modellspezifische Tabellen für Kopfumfänge, aber übertragen kann man das eben nicht, manchen passt z.B. ein S eines Herstellers und ein L eines anderen.

Brille

Hier ist eine Empfehlung die Flex Z (auch Mini) – aber die Mit Rand! Dieser löst sich zwar mit der Zeit, was ihr aber durch ein paar Stiche/Nähte (vom Rigger) verhindern könnt. Fragt am Platz rum, probiert verschiedene Sachen aus und schaut, was ihr am bequemsten findet.

Suit

Suits gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Kurze Summersuits, normale Suits, einzelne Hosen, Jacken, Thermo, RW, Freefly, langsam, schnell, mit und ohne Griffe etc. etc, fast alle davon Maßgeschneidert von überall aus der Welt. Manche Springer springen ohne Suit, da sie sich das Geld sparen wollen. Hierzu soll gesagt sein, dass die Suits fast immer Verstärktes Material in den Bereichen Knien, Ellenbogen und dem Allerwertesten haben und euch so etwas vor Verletzungen schützen. Wem das egal ist, der soll ohne springen. Wenn sich aber das zu lockere T-Shirt über die Griffe legt und dann Panik bei der Notprozedur aufkommt, dann sagt nicht, euch hätte keiner gewarnt! Die Art des Suits ist geschmacks- und disziplinabhängig. Meine Empfehlung wäre auch hier estmal etwas günstiges bzw. gebrauchtes zu nehmen, bis ihr wisst, ob ihr eine RW-Kombi sucht, lieber Freefly machen wollt, eure Fallrate einschätzen könnt, eher kurzärmlige Sachen bevorzugt etc. Falls ihr was Maßgeschneidertes sucht, ist Rainbow Suits der Mercedes aus Deutschland, Intrudair die „coole“ Alternative und auch Tonfly und Vertex zeigen gute Qualität.

Denkt immer dran, es gibt keine dummen Fragen. Lieber einmal zu viel gefragt, als einmal zu wenig…

Blue Sky und Happy Landings

Euer Rigger